Europastiftung für Freie Software
von Andre, Deutschland

Europa sollte im Rahmen der Finanzkrisensanierung eine Europastiftung für die Weiterentwicklung essentieller Freier Software wie z.B. Linux und Firefox gründen, um strukturellen Abhängigkeiten Europas im Netz zu begegnen. Statt planlos Geld auf die Softwarewirtschaft zu dumpen zur Krisenüberwindung, wäre dann auf jeden Fall gesichert, dass die Ergebnisse der Förderung allen Bürgern zu Gute kommen und in die Infrastruktur des Netzes gehen.

Ein großer Teil der heutigen Internet-Infrastruktur basiert auf sogenannter Freier Software, weitgehend unberührt von öffentlicher Förderung. Dazu gehören Forensoftware, Blogsysteme, Betriebssysteme, Webserver, Emailserver, und viele andere, zumeist für den Anwender unsichtbare Elemente der Webinfrastruktur. In den letzten zehn Jahren hat sich Freie Software als das effizientere Entwicklungsökosystem für Software herausgestellt, das zudem die Abhängigkeiten unserer Wirtschaft und Kultur von Drittstaaten und Anbietern verringert. In der Essenz ist es Software über die keine herstellerspezifische Kontrolle ausgeübt wird. Solche Kontrolle kann für ein Medium der öffentlichen Deliberation sehr gefährlich sein.

Ich nenne nur die Herkulesaufgabe der Mozilla Foundation mit Firefox einen überlegenen Webbrowser als Freie Software bereit zu stellen, der nicht an ein bestimmtes Betriebssystem gebunden ist und damit Wettbewerb überhaupt erst möglich macht.

In vielen Verwaltungen Europas hat man durch Migration auf Linux die Kosten dramatisch senken können. Bürger entdecken die Netbooks für sich, die ebenfalls auf Linux basieren. In der Industrie setzt man auf Linux-Server und embedded-Systeme. Da Linux systematisch von freien Entwicklern mitentwickelt wird, gibt es aber keine direkte Ausrichtung auf die Anforderungen europäischer Behörden. Eine Europastiftung für Freie Software würde erstens die getane Aufbauleistung dieser Community belohnen und verstetigen und zweitens einen Lückenschluss für die Anforderungen von Behörden herstellen mit dem Ziel Einsparungspotentiale in den Behörden zu nutzen und Wettbewerb im Zeichen von Herrstellerabhängigkeiten künstlich zu stimulieren.

Sie würde ausserdem die demokratische Software wie Webforen, CMS, Wiki, Browser usw. co-finanzieren, die eine Online-Deliberation möglich macht. Statt wie bisher das Errichten eines Portals von y für x zu finanzieren, würde man die Entwicklung einer Portalsoftware fördern, die y für x bereit steht. Das sehe ich als eine Kernaufgabe staatlichen Handelns an, nämlich die Räumlichkeiten für die digitale Agora bereit zu stellen. Free Software macht diese Partizipation sehr einfach.

Die Europastiftung für Freie Software würde demonstrieren, dass die europäischen Institutionen das Internet verstehen. Sie könnte systematisch die Barrieren überwinden, die derzeit noch bestimmte Anwender abhalten. Das Ergebnis wäre eine kompetitivere Marktumgebung, und bestreitbarere Monopole. Infrastrukturelle Monopole, durch die der europäische Steuerzahler und Bürger in ganz anderem Maße ausgenommen wird!

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