Soziale Einbindung durch Grundeinkommenssicherung

Soziale Einbindung durch Grundeinkommenssicherung

Wenn Menschen Projekte planen oder durchführen, aber keine Einnahmen dadurch haben, dies trotzdem ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Wachstum und zur Veränderung ist, dann ist ein Grundeinkommen eine tolle Möglichkeit den Rücken frei zu haben für seine Vision zu leben. Viele Menschen die arbeitslos zu Hause sitzen und sich nicht vor und zurück bewegen können, also quasi brach liegendes menschliches und soziales Potential, können endlich aktiv werden, Dinge organisieren und ihren Beitrag zum sozialen Leben einer Gesellschaft beitragen.


Ich kann im Moment nicht erkennen, warum Arbeitslose zur Zeit ihr "brach liegendes menschliches und soziales Kapital" nicht in unsere Gesellschaft einbringen können. Was sollte sich durch ein Grundeinkommen, das unsere sozialen Sicherungssysteme doch bereits liefern, ändern?
Die in der Theorie verlockende Idee des "bedingungslosen Grundeinkommens" dürfte nach meiner Einschätzung im Praxistest früher oder später an der Finanzierbarkeit scheitern.

Wenn Menschen heute Sozialhilfe bekommen, oder Arbeitslosengeld, kommen sie in ein System der ununterbrochenen Kontrolle durch den Staat. Außerdem ist die Grundsicherung so gering, dass sie sich kaum frei bewegen können. Das schafft unkreative, resignative und depressive Zustände. Kein Mensch möchte so leben. Schafft man ein Grundeinkommen, was frei von Moral und Verurteilung, frei von Kontrolle ist, gibt man den Menschen eine ganz andere Möglichkeit an die Hand ein aktives sich selbst kreiiertes Leben zu schaffen.
Würde der Mensch mehr in seine Eigenverantwortung gestellt sein Leben zu gestleten, würde es Möglichkeiten geben den Menschen in seine Kreativität zu bringen, dann wäre die Frage der Finanzierbarkeit unerheblich, weil es sicherlich einige Menschen geben würde, denen ein Grundeinkommen für ihr Leben reicht, aber es würde eine Mehrzahl von Menschen geben, die etwas aus ihrem Leben machen möchten und diese Freiheit der Grundversorgung nutzen würden sich ein interessantes Berufsleben zu gestlten. Das iwederum würde aber die Finanzierbarkeit eines solchen Systems garantieren, da viele Menschen sicherlich sehr erfolgreiche Ideen umsetzen würden.

Eigenverantwortung ist eine zentrale Frage unserer Gesellschaft.
Meine Beobachtung und Erfahrung lehrt mich, dass die Freiräume einer staatlich organisierten sozialen Sicherheit weniger die Eigenverantwortung fördern, sondern eher zu Antriebslosigkeit und Bequemlichkeit verführen.
Welche Überzeugung findet wohl in unserer Gesellschaft eher eine Mehrheit: "Der Mensch lebt, um zu arbeiten!" oder "Der Mensch arbeitet, um zu leben!"
Herr/Frau Genzken, Ihre Überzeugung, dass die Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens quasi ein Selbstläufer wird, erscheint mir doch sehr idealistisch oder auch blauäugig. Schon heute versucht sich ein Großteil unserer Gesellschaft der staatlich verordneten Steuer- und Abgabenlast zu entziehen. Wie würde das erst aussehen, wenn die noch Leistungswilligen das Gefühl haben, dass sie die Bequemlichkeit immer größerer Teile unserer Gesellschaft finanzieren müssen. Schon heute ist doch Solidarität eine Einbahnstraße.
Jeder Erwachsene kann schon heute sein Leben eigenverantwortlich gestalten. Das setzt aber u.a. Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft voraus. Ein übertriebener Sozialstaat hat diese Bereitschaften verkümmern lassen und zu einer zunehmenden Entmündigung des Bürgers geführt. Das von Ihnen geforderte Grundeinkommen würde diesen Trend weiter verstärken, statt ihn umzukehren.

Unser derzeitiges System wird von dem Motto getragen, Fördern und Fordern.
Das wäre gut aufgegangen, wenn ausreichend Existenz sichernde Arbeit für die Menschen vorhanden ist.
Mit Einführung von Agenda 2010 war das schon längst nicht mehr der Fall.
Auf rund 3,8 Millionen monatlich zugegebene Arbeitslose kommen im Schnitt nur rund 550.000 frei gemeldete Stellen, bei denen rund 85% immer sofort vergeben werden. Es ist nicht bekannt, ob in jedem Fall die freien Stellen Existenz sichernde Tätigkeiten sind.
Wir haben also ein Verhältnis von rund 1:8 und nicht 1:1.
Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass 7 Bürger leer aus gehen. Diese 7 Bürger versetzen wir mit niedrigen Mitteln in einen Winterschlaf, denn mehr ist beim derzeitigen Hartz IV Satz nicht möglich. Fordern ist hier verfehlt.
AKTIVIEREN muss das Motto heissen, genug Mittel zur Verfügung stellen, die auch die 7 Bürger in die Lage versetzen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und damit auch einen aktiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Winterschlaf kommt uns allen teuer zu stehen! Aktivierung ist geboten. Wir können nicht auf die Kreativität dieser Bürger verzichten.
Da die, die von Arbeit freigesetzt werden in Anzahl zunehmen, wird ein Grundeinkommen dringlicher denn je.
Erpresserische Zwangsmaßnahmen bringen uns nicht weiter. Wir sind eine Gesellschaft und müssen alle mitnehmen, in UNSERE gemeinsame Zukunft!
Wir entwickeln zunehmend hoch perfekte Maschinen, die uns immer weiter von Arbeit befreien. Wir leisten uns einen bürokratischen Aufwand, um dann die frei gesetzten Arbeitskräfte in Grüppchen aufzuteilen und gegeneinander auszuspielen. Wir können uns das nicht leisten, wir brauchen Innovation und Kreativität aller Bürger. Die kann sich nicht unter Zwang entfalten, sondern bei Teilhabe an Kultur und Gesellschaft ergeben sich die Impulse, die uns weiter bringen.
Wir haben den Anspruch auf eine Ausgestaltung moderner, humanistisch geprägter Gesellschaft!
Bedingungsloses Grundeinkommen JETZT!

Grüße aus Kiel
Lutz

Bemängelt wird bei einem Grundeinkommen immer wieder aus Unkenntnis die Finanzierung.
Hierzu gibt es reichlich auch von Wissenschaftlern belegte Berechnungen.
Googel liefert entsprechende Veröffentlichungen.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Mechanismen gibt der Kulturimpuls von Enno Schmidt und Daniel Häni auf kultkino punkt ch , der Film zum Grundeinkommen.
Zutreffend dazu gibt es die Informationen auf unternimm-die-zukunft punkt de
Jeder kann sich informieren.
Übrigens, wenn RGundlach hier oben schreibt, dass jeder heute sein Leben in die Hand nehmen kann, dann ist dieser Beitrag leider nicht von Realität getragen. Seit 2005 zwingen wir Menschen ihr Angespartes aufzubrauchen, wenn sie ihre Existenzsichernde Arbeit verlieren, weil der Arbeitsplatz wegrationalisiert wurde oder exportiert.
Haben sie ihr Angespartes verbraucht, bleibt Ihnen nur der Winterschlaf, den ich einen Beitrag vorher schon beschrieben habe.
Von diesen fehlgeleiteten Mechanismen sind zunehmend Bürger betroffen, die wir in Alimation des Staates drängen und die dann auch noch Zwängen unterworfen werden, die dem Grundgesetz und der Europäischen Sozialcharta im Widerspruch gegenüber stehen.
Wir haben auch alle Anspruch schon heute das zu leben, was unsere Politiker in unserem Auftrag unterschrieben haben!
Jeder sollte auch darüber nachdenken, dass eben nicht mehr alle Bürger ihr Leben tatsächlich selbst ohne Transferleistung anderer bestreiten kann.
Nicht jeder ist in der Lage den Strom zu produzieren, den er verbraucht. Nicht jeder hat einen Bauernhof zur Produktion seiner Lebensmittel. Nicht jeder liefert ein tatsächliches Produkt, greifbar als solches, dass er im Tausch für Lebensunterhalt einsetzen könnte.
41% unserer Berufstätigen schaffen das heute alles für 100% Bevölkerung.
59% leben im Grunde von Transfer. Es gilt hier alle Menschen zu aktivieren und nicht gegeneinader auszuspielen.
Blauäugig sind die, die meinen Geld ist nicht alles. Geld ist heute das Mittel, das notwendigen Transfer ermöglicht. Auch für Bildung kann es nicht genug sein!
Blauäugig sind auch die, die meinen Rationalisierung und Freisetzung von Menschen voranzutreiben und hinterher andere Bürger Zwängen austuliefern.
Blauäugig sind die, die in regelmäßigen Abständen nach Systemsturz meinen, dass ein Reset und Neustart des gleichen Unsinns Gesellschft weiter bringt.
Zukunft tatkräftig anpacken, gemeinsam alle Bürger mitnehmen!

Auch ich beschäftige mich schon seit geraumer Zeit mit der Idee der bedingungslosen Grundversorgung, die übrigens von vielen Unternehmern gestützt wird.
In den bisherigen Beiträgen sind bereits viele gute Argumente vorhanden, die für eine Grundversorgung sprechen. Ich möchte noch den einen oder anderen Aspekt anfügen:
Würde man jedem Bürger in Deutschland 500 € zugestehen, wären das bei ca. 80 Mil Bürgern ca. 40 Milliarden. Der Haushalt Soziales hat heute bereits diesen Umfang. Einsparungen im Haushalt gäbe es dadurch, dass man die Sozialämter auf ein unbedingtes Minimum reduzieren könnte - sie werden ja nicht mehr gebraucht. Auch die Agentur für Arbeit wäre obsolet, zumindest in dieser Größenordnung.
Der Bürger wär frei in seiner Entscheidung, einen Job anzunehmen oder nicht. Ganz sicher würde er dann keinen dieser entwürdigenden 1-€-Jobs annehmen. Die Politik müsste die fatalen Mindestlöhne nicht diskutieren und kann das den Tarifpartnern überlassen. Arbeit muss anständig bezahlt werden, denn sonst kommt keiner.
Eine Familie könnte sich dann wieder mehr der Kindererziehung widmen, weil sie finanziell unabhängiger sind.
Nimmt man den Artikel eins des Grundgesetzes ernst - die Würde des Menschen ist unantastbar- dann muss die Gesellschaft eine bedingungslose Grundversorgung sicherstellen.
Allerdings habe ich keine Lösung für die Abgrenzungsproblematik. Wer ist Bürger und kann somit den Grundbetrag beziehen. Ist es auch der, der sich unerlaubt in Deutschland aufhält. Wie kann dann der Flüchtlingsstrom eingedämmt werden (wir werden der Situation ja jetzt schon kaum Herr). Wie sieht es mit Personen aus, die ihre Bürger- und Freiheitsrechte verwirkt haben. Und jetzt noch auf ganz Europa ausweiten?!!

Es muss für die Menschen aber eine Lösung für ein würdiges Leben geben.

Ich sehe das "Bedingungslose Grundeinkommen" als notwendige Entwicklung - nicht nur für die deutsche, die europäische Gesellschaft, sondern (in fernerer Zukunft) für die Menschheit überhaupt. Denn die Arbeitsproduktivität steigt - durch Automatisierung - so schnell, dass es in Zukunft immer weniger möglich sein wird, dass alle Menschen Arbeit haben. - Das Heer der Arbeitslosen und das damit verbundene Elend wird zwangsläufug immer größer. Wenn durch die hohe Arbeitsproduktivität aber so leicht materieller Wohlstand erwirtschaftet werden kann, warum diesen dann nicht auf alle Menschen verteilen ?