Stimmungslage Q1 2009

Stimmungslage Q1 2009

Familienbonus von einmalig 100 EUR je Kind und auch die lächerliche Kindergelderhöhung von 10 EUR in Deutschland auf der einen Seite
sowie die Wirtschaftsförderungen für Banken und Automobilindustrie in
Milliardenhöhe auf der anderen Seite zeigen wie die Prioritäten gewichtet werden. Die Automobilindstrie hätte auch ohne Krise Fertigungs- Überkapazitäten von ca. 20%.
Ob Krise oder nicht : Die Automobilindustrie wäre sowieso in
Schwierigkeiten gekommen und Opel trifft es wegen der verfehlten
Unternehmenspolitik nur als erste und am Schwersten. Auch in der
Automobilindustrie ist es wichtig zum richtigen Zeitpunkt umsatzwirksame
Trends aufzuspüren, was bei Opel vermutlich durch die verknöcherte
Konzernmutter GM scheinbar bisher nicht möglich war. Vielleicht könnte
Opel das sogar als Europäischer Hochtechnologie- Konzern mit Hilfe von
Steuergeldern noch nachholen, aber nur, wenn Europäische Ingenieure es
in die Hand nehmen und nicht die selbstgerechten GM-Manager mit Ihren übertriebenen Profitmaximierungs- Erwartungen. Aber selbst dann werden andere Autohersteller wieder zuviele, nicht mehr benötigte Autos bauen und es werden dort wieder Arbeitsplätze verloren gehen, immer zu Lasten der durch Arbeitslosigkeit von Armut bedrohten Menschen.

Zugunsten der Wirtschaft
Die Gewichtung der Politik ist klar auf der Seite der Wirtschaft.
>>> Was ist mit den Menschen ? <<< Frage ich.<br /> Es gibt keinen Unternehmer, der Arbeit schafft, weil er den Arbeitnehmern so gern Arbeit gibt.
- Für Unternehmer steht die Gewinnmaximierung (deren Verdienst) im
Vordergrund und das mit so wenig und so preiswertem Personal wie
möglich um die Kosten so gering wie möglich zu halten und einen
möglichst hohen Profit (deren Verdienst) zu erzielen.
- Firmen versuchen Ihrem durchaus nachvollziehbaren Bedürfnis nach möglichst geringeren Personalkosten durch den Einsatz von Zeitarbeitsfirmen Vorschub zu leisten (auch möglicherweise mit Hilfe dahinterstehender politischer Lobby). Auf diese Weise entsteht ein Prozess bei dem der monetäre Wert für Arbeitsleistung stetig abnimmt.

Diese, dem Prinzip unserer Wirtschaftsordnung folgende Eigenschaft wurde und wird in den letzten beiden Jahrzehnten immer deutlicher.
Die innovativsten und stärksten Branchen waren in den letzten Jahren
der Anlagen-/Maschinenbau (Fertigungsstraßen) oder das Wirtschafts-
Consulting, weil es dort maßgeblich um Rationalisierung / Kostensenkung
und damit im weiteren Sinne um Personalabbau geht. Branchen, die sich mit der Reduzierung von Personalaufwand im Unternehmen beschäftigen, waren und sind die stärksten.

Wo bleiben die Kinder ?
Die Förderungen, die es in Deutschland gibt, gehen maßgeblich in Richtung
Besserverdienende, z.B. Elterngeld: Lohnt sich >>am meisten<< für<br /> Besserverdienende. Aber wollen Besserverdienende eigentlich Kinder ?
Oder haben gerade 120%ig im Job hart arbeitende sich mit ihrem
(Arbeits)-Leben über die Jahre entsprechend eingerichtet ?
Die niedrige Erhöhung des Kindergeldes in Deutschland ist im Vergleich zu den (Bank-)wirtschaftlichen Milliardenhilfen ein Skandal. Es gibt in
Hamburg Schulen, in denen ganze Gebäudetrakte nicht mehr
genutzt werden. Logisch! Wenn die Anschaffung von Kindern heutzutage
für viele Menschen eine Existenzbedrohung darstellt gibt es keine Nachkommen und somit keine neuen Grundschüler. Menschen mit Migrationshintergrund haben ihren Glauben, der es ihnen nahelegt für
Nachkommen zu sorgen. Deutsche betrachten es eher als Fortschritt sich von derartigen Religions- Regeln befreit zu haben. Nur gibt es kein entsprechendes Äquivalent. Die Quintessenz daraus ist, dass zu wenig (deutsche) Kinder in die Welt gesetzt werden. Im Feb. erschien im Hamburger Abendblatt ein Artikel darüber, dass Hamburg sich damit rühmt in diesem Jahr nur 0,1% Geburtenrückgang zu verzeichnen. (Mich würde interessieren, wie hoch der Geburtenrückgang bei Kindern >>ohne<< Migrationshintergrund ist.) Was ist das für eine Hascherei auch nur andeutungsweise positiver Nachrichten ? Und das deutsche Familienministerium versucht derartige Nachrichten als Trendwende zu verkaufen ? Das alles erscheint einer zunehmenden Bevölkerungsgruppe<br /> reichlich suspekt.

Zukunft gestalten
Wenn es eine Gesellschaft gäbe, die alle deutlicher am Wohlstand
partizipieren ließe, würden auch die Geburtenraten wieder steigen.
Wenn es den Eltern gut geht. Dann geht es auch den Kindern
gut. Philip Missfelder äußerte im Zusammenhang mit der Hartz IV- Erhöhung, dass der Umsatz der Tabak- und Spirituosenbranche gefördert würde. Das war ein weiteres Indiz dafür, wie es in Deutschland um das Menschenbild im sogenannten bürgerlichen Lager bestellt ist.

Was passiert durch Kinderarmut ?
Ein Großteil der heutigen, jugendlichen Rechtsradikalen, deren
steigende Zahl alle so vehement beklagen, geht auf das Konto der o.g.
Verschiebung der Prioritäten zu Gunsten von Wirtschaftsinteressen um
jeden Preis. Die meist aus armen Verhältnissen (weil Kinder dem Staat
wenig wert sind) stammenden "armen Teufel" werden von sogenannten
starken Männern für Ihre Interessen eingespannt.

Einer stark steigenden Anzahl von Bürgern ist die ganze Überbetonung
von Wirtschaftsinteressen im Europäischen Raum zu extrem geworden.
Wenn die Wirtschaft zum Selbstzweck wird und ohnehin wegen der
überdurchschnittlich hohen Automatisierung immer weniger Menschen bei gleichbleibender Produktivität in der Wirtschaft der Gegenwart benötigt werden, droht es immer größerer Gesellschaftschichten vom Wohlstand abgehängt zu werden. Aus der aufmerksamen Betrachtung der jüngsten Entwicklungen im Punkto "Grundeinkommen" lässt sich ableiten, dass die Zahl der Wähler, die eine solche Lösung von der Politik fordern, Größenordnungen angenommen hat, die eine Partei in das Parlarment einziehen lassen könnte.

Zugegeben:
1. Es benötigt viel Weitsicht bereits heute zu erkennen, dass die
Förderung einer Branche wie der konventionellen Automobilindustrie
eine Förderung in eine Branche ist, deren Basis- Innovation sehr lang
her ist und deren Zenit bereits, unbemerkt von vielen, lang
überschritten ist.

Finanzierbarkeit
2. Prof. Götz Werner und das Team seines Institutes haben in Ihren
Berechnungen vor dem Hintergrund geltender volkswirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten nachgewiesen, dass das Grundeinkommen bereits heute in einer gewissen Höhe finanzierbar ist und in Teilschritten weiter realisierbar ist.

Weltfremd
3. "Weltfremd" kann man das Interesse an der Einführung eines
Grundeinkommens nur nennen, wenn man die o.g. Tendenzen ignoriert und möglichst so weiter machen will wie bisher. Wohin das führt, wurde in den jüngsten Entwicklungen eines geltenden, zunehmend radikalen Marktes deutlich. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde in die bestehenden Einkommen sozusagen "von unten" eingezogen.

4. Wir brauchen neue Ideen. Weltfremd wäre wahrscheinlich auch jemand beurteilt worden, der in den 70er Jahren die Subventionen in den deutschen Bergbau infrage gestellt hätte und den Arbeitern dort lieber gleich die preiswertere, schnellere (und hinterher sowieso erfolgte) berufliche Weiterentwicklung in andere Branchen bezahlt hätte.
Christoph Kolumbus ist seinerzeit wahrscheinlich auch als "weltfremd" bezeichnet worden, weil er statt nach Osten nach Westen gefahren ist, um nach Indien zu gelangen. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen.

5. Die Menschen, die sich durch die Zyklen der auf Basis- Innovationen
folgenden Schwankungen wirtschaftlicher Prosperität beruflich umorientieren müssen, fallen heute zu schnell vom Wohlstand ab und durch das Raster, obwohl sie noch gebraucht werden.
Arbeit gibt es genug, nur will sie keiner bezahlen, wenn man an die
vielen ehrenamtlich tätigen Bürger denkt. Nach heutiger Lesart, ist die gesamte ehrenamtliche Tätigkeit nichts wert, weil sie nicht bezahlt wird.

6. Die Kinder sollten als erste an der Reihe sein, aber nach aktuellem
Muster wird ein Kind mit 70% von Hartz IV eingestuft und nur Dank des
deutschen Bundesverfassungsgerichtes gibt hier mittlerweile Mindestempfehlungen.

7. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der alte Satz: *Wenn es der
Wirtschaft gut geht, geht es auch den Menschen gut* in Zukunft immer
weniger zutrifft, weil die heutige, ergebnisorientierte Wirtschaft mit
immer weniger Menschen auskommt.

8. Es ist viel Weitsicht nötig, bereits heute zu erkennen, dass sich ein
Menschenbild durchsetzt, dass nicht immer die Anderen als
"nichtarbeitswillig" beurteilt und nur man selbst natürlich anders ist
und arbeitet, weil man arbeiten möchte.


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