Ablehnung des BGE
BGE bedeutet, dass jeder der nicht wil, auch keiner Arbeit nachgehen braucht. Leben will dieser Mensch aber - also ist er nicht nur darauf angewiesen, dass Andere ihm Geld zur Verfügung stellen, er nutzt auch deren Leistungen schamlos aus. De Brot entsteht nicht von allein und die Kuh muß auch gemolken werden, damit Milch eingekauft werden kann. Alle Menschen sind im System der Arbeitsteilung darauf angewiesen, dass jeder zum Leben etwas beisteuert, etwas leistet. Dazu gehören selbstverständlich auch Kunst, Kultur, Dienstleistungen usw. - aber auch all dieses sind Leistungen.
Im gegenwärtigen System der Wirtschaft werden ein Teil der Arbeiter schamlos bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit ausgebeutet, sollen möglichst noch unbezahlte Überstunden machen, sollen mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten und das nicht nur bis zum 60. ... 65. .. Lebensjahr - nein bis vorläufig 67 Jahre. Andere werden aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert, werden Arbeitslos und vegitieren am untersten Rand der Gesellschaft. Hinzu kommt, dass diese ohne Schuld noch beschimpft, kriminalisiert und gedemütigt werden. Das hat System. Nur wenn man die Arbeiter spaltet, wenn man sie gegeneinader hetzen kann, kann man beide getrennt bis aufs Blut aussaugen. Mit dem BGE, welches ja letztlich die Arbeiter der materiellen Produktion aufbringen müssen, werden die beiden eigentlich gleich stehenden Bereiche nochmals gegeneinander gehetzt. Allein aus dem Grund lehne ich ein BGE als Lösung ab.
Für mich gibt es nur die Forderung die Arbeit gerecht aufzuteilen, damit alle mehr Freizeit und die Möglichkeit der Weiterbildung, der sportlichen Betätigung der Nutzung der Kultur und der Hingabe für die Famile haben. Geld ist genügend da trotz sinkender Arbeitszeit gleiche und höhere Löhne und Gehälter zu zahlen - doch wollen diejenigen die sich diese Gewinne einstecken auf diese Gewinne nicht verzichten und dabei unterstützt dieser Staat und die EU die Diebe der Menschheit
Günther Wassenaar
Das Bedingungslose GrundEinkommen(BGE) ist sicherlich auf den ersten Blick ein irritierender, ja verstörender Gedanke. Wie kann es sein, dass Frau oder Mann ohne Arbeit Geld bekommen? Und wenn "dann arbeitet doch keiner mehr", oder diejenigen die arbeiten füttern die "Faulpelze" durch.
Diese Reaktionen bei Antworten und Fragen treten fast immer bei dem Reiz-Thema BGE ein. Es ist einem Reflex vergleichbar. Das sollte jeden stutzig machen und zur "Reflexion" einladen.
Leistung, Lohn- und Erwerbs-Arbeit und Wirtschaftssystem sind das wirklich quasi "naturgegebene" Tatsachen, sind sie in der jetzigen Form unsere zweite Natur? Handelt sich hierbei um anthropologische Gewissheiten?
NEIN
Die Struktur unsere derzeitigen Lebens-Produktions und Arbeitsweisen sind marktwirtschaftlich-kapitalistisch organisiert. Das bestimmt ohne Zweifel was Leistung ist, was Arbeit ist und was nicht, wofür und wie viel diese Arbeit wert ist und folglich auch unsere soziale Stellung in der Gesellschaft. Arbeit ist nicht gleich Erwerbsarbeit und lässt sich zudem nicht darauf reduzieren. Der Mensch ist grundsätzlich ein tätiges, aktives Wesen, dass sich seiner Umwelt hervorragend anpassen kann und dass seine Umwelt seinen Bedürfnissen anpassen kann.
Er ist aber sicherlich nicht das Lohnarbeitswesen oder eine Erwerbsmaschine im 'Konkurrenzkampf' mit anderen Erwerbsmaschinen. Hierzu wird es erst gemacht durch die jetzige Wirtschaftsausrichtung.
Mal von der im Beitrag anklingenden Geringschätzung von Nicht-Erwerbsarbeit (Erziehung, Familie, Ehrenamt, Pflege usw.) abgesehen, ist es doch genau diese Form der Ausrichtung auf Erwerbseinkommen und Gewinnmaximierung (ohne Erwerbs-Arbeit kein Verdienst und ohne Freihandel keinen Reichtum), die die in dem Beitrag angesprochenen Probleme erst aufwirft.
Es ist nicht das Problem bis 67 oder bald 70 zu arbeiten! Das Problem ist es zu "müssen". Es ist nicht das Problem das einige ständig Überstunden machen und alle mehr oder minder "schamlos ausgebeutet"! Das Problem ist, dass sie keine Wahl haben, weil sie in einen Konkurrenz- und Existenzkampf gezwungen werden.
Es ist nicht allein das Problem, dass die Arbeit schlecht oder ungerecht verteilt ist und dass zu geringe Löhne und Gehälter gezahlt werden(sowieso!)! Das Problem ist, dass uns aufgrund der überragenden Produktivität die Erwerbs-Arbeit ausgeht. Uns geht aber nicht die Arbeit selbst aus. Das ist ein feiner Unterschied. Wir müssen neu bestimmen was Arbeit sein soll und kann. Wir müssen uns darüber Gedanken machen, was für eine Gemeinschaft wir unter den genannten Vorzeichen haben wollen und wie diese in Zukunft aussehen soll.
Da setzt ist das BGE an. Es ist ein Ausgangspunkt, der uns in die Lage setzen soll, die Probleme anzugehen. Erst so werden grundlegende Spaltung der Gesellschaft, wie die durch Erwerbszwang und Existenzangst, aufhebbar. Erst so können sich die emanzipative Kräfte der Bürger für einen demokratischen und sozialen Wandel frei entwickeln.
Bertram Kraus
Meine volle Zustimmung für den Kommentar von Bertram Kraus. Nicht vergessen: Wer arbeitet hat das BGE UND seinen Lohn dazu - also auf jeden Fall mehr Geld zur Verfügung als jemand, der nicht arbeitet.
Ganz wesentlich finde ich den Punkt: WAS wird durch die Gesellschaft als Arbeit anerkannt (bezahlt) und was nicht - und WARUM nicht?