Lohn- und Gehaltniveaus ausgleichen
Fr, 06/03/2009 - 20:10
Lohn- und Gehaltniveaus ausgleichen
Eine Volkswirtschaft ist als ganzes umso erfolgreicher, je ausgeglichener die Nettolohn- und -gehaltniveaus sind. So sind in Skandinavien die untersten Vollzeitlöhne nicht niedriger als die Hälfte des Durchschnittslohnes. Das trifft weder für Deutschland noch Grossbritannien zu. - Erreichbar ist das möglicherweise durch die Einführung von Mindestlöhnen. Notwendig ist aber auch die Einsicht der Verantwortlichen, dass es langfristig ihrem eigenen Vorteil dient, weil es die Binnennachfrage auf einem einträglichen Niveau hält. Dem steht bisher das kurzfristige Gewinnstreben entgegen, das die gegenwärtige Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise verursacht hat.
Hallo Herr Ruhemann, interessanter Vorschlag, dem aber das Leistungsprinzip nach meiner Auffassung entgegensteht. Ich sehe schon heute immer weniger Leistungsanreize in unserer Gesellschaft und bedaure dies. Leistung muß sich lohnen, Bildungsinvestitionen müssen sich lohnen. Ich stimme Ihnen aber zu, dass sich auch jede Arbeit gegenüber der Tatenlosigkeit, lohnen muß- dies haben wir aber mit Hartz4 aufgegeben, leider! Und wir haben mit Hartz4 defakto ja einen Mindestlohn eingeführt, wenn auch in dieser Form wohl mit den völlig falschen Anreizen. Darüberhinaus noch ein Hinweis. Heute bedeuten 6 Euro Arbeitslohn sehr wenig, warum aber waren 12 DM vor wenigen Jahren ein gutes Einkommen? Liegen hier nicht auch Ursachen für den Einkommens- oder Kaufkraftverluste?
Hallo Herr Müller, Ursachen für den Einkommens- und Kaufkraftverlust liegen meines Erachtens darin, dass das Geld nicht im produktiven Kreislauf bleibt, sondern - wegen der angeblich höheren Rendite - spekulativ umgeleitet wird. Wie sich im Tagesspiegel vom 28. Februar nachlesen liess, verhilft Regionalgeld einer - zugegeben - wohlhabenden Region wie dem Chiemgau zu mehr Wohlstand, weil das Geld dort bleibt und den Wirtschaftskreislauf belebt. - Jedenfalls ist es für mich nicht einsehbar, wie Banken Gewinne und Verluste in Milliardenhöhe machen, die Gewinne einstreichen und Verluste vom Staat ersetzt bekommen wollen. Wo da das Leistungsprinzip bleibt, ist für mich nicht erkennbar. - Ebenfalls ist mir nicht erfindlich, wie Sie eine Transferleistung wie Hartz4 als Mindestlohn anerkennen wollen. Das Bedauerliche an der deutschen Wirtschaftspolitik ist doch, dass es nicht gelungen ist, den Mindestlohn (für eine Vollzeitstelle) über der Hälfte des Durchschnittslohns zu halten, wie in den erfolgreichen Volkswirtschaften Skandinaviens. Durch die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten (in D) leidet die Binnennachfrage so spürbar, dass uns jetzt der Exportrückgang zu schaffen macht, weil die Produzenten nicht einsehen, dass zu arme Mitarbeiter die Produkte ihrer eigenen Fertigung nicht kaufen können, eine Erkenntnis von Henry Ford, die inzwischen in Vergessenheit geraten zu sein scheint.
Hallo Herr Ruhemann, stimme Ihnen ja weitgehendst zu, nur halte ich nach wie vor staatliche Reglementierung der Wirtschaft bezüglich zu zahlender Löhne für falsch. Denn fakt ist doch, dass das Produkt und der am Markt zu erzielende Preis letztendlich über den Lohn entscheidet, nicht irgendwelche politische Wünsche. Somit werden durch Mindestlöhne einfache Tätigkeiten zunehmend aus den Industrieländern verbannt werden, mit allen Folgen. Löhne sind keine Wunscheinnahmen, sondern aus dem Wettbewerb erzielte Einnahmen. Entweder wir akzeptieren auch niedrigere Löhne oder wir verzichten auf bestimmte Leistungen und zahlen Sozialleistungen. Bleibt die Frage woher wir die nehmen. Ebenso falsch habe ich die jahrelangen politischen Diskussionen über Lohnenthaltsamkeit gehalten. Ich bin noch heute der Meinung, das Hartz4 die Öffnung zur Verarmung der Menschen war und gleichzeitig den Leistungsdruck verringert und nicht erhöht hat.
Man hat gezielt im Interesse der internationalen Industrien und deren nicht mehr aufzuhaltenden Streben nach Maximalgewinnen auf Lohnentwicklungen verzichtet und damit auf Binnennachfrage verzichtet. Der Wahn des Exportweltmeisters wird nun zum Problem. Sinkende Einnahmen, stetig steigende Staatsausgaben- auch, aber nicht nur durch ein kaum bezahlbares Sozialsystem- treiben die Staatsverschuldung auch bei extrem steigenden Einnahmen immer weiter in die Höhe. Einzig für mich machbare Lösung ist die Widerherstellung des Wettbewerbes. Leider sehe ich zunehmend eine Konzentration und dies mit politischem Flankenschutz. Immer mehr wird der Monopolisierung die Tür geöffnet, wissend, das daraus früher oder später steigende Lebenshaltungskosten folgen, woraus dann wieder höhere Löhne Abhilfe schaffen sollen, dass wird auf Dauer nicht funktionieren, zumindest nicht bei Erhalt der sozialen Marktwirtschaft. Bin auf Ihre Erwiderung gespannt und danke für die interessante Diskussion.